Tarnlackierung Auto

Tarnwagen

Sie lieben Ihr Auto oder Motorrad und lassen nur Profis den Lack Ihres Fahrzeugs anfassen? Erlkönig tarnen: Wie sich ein Prototyp tarnt "Goethe schreibt in seiner bekannten Erlkönig-Ballade: "Siehe, Herr Pfarrer, du siehst den Elkönig nicht" und legte damit unwissentlich den Grundstock für ein viel später auftritt. Sogar der heutige Prototyp sollte nicht zu sehen sein, sollte unerforscht und rätselhaft sein. Goethe würde sich aber wahrscheinlich im Grabe herumdrehen, wenn er wüßte, daß seine Todesmetapher nun auf Modelle der Automobilindustrie zielt.

Autohersteller haben immer um das schönste Auto gekämpft. Wer in der rauen Wirklichkeit überleben will, muss auch dort seine Autos ausprobieren. Der Ausweg: anspruchsvolle Camouflage. Wenn man in der Zeit zurück geht, erkennt man den Grund der Schwarz-Weiß-Tarnung in der Schiffahrt. Schon 1918 entwarf der Brite Norman Wilkinson das "Dazzle"-Muster, das aus schwarzweißen Vierecken besteht, um die Schlachtschiffe der englischen Kriegsmarine zu tarn.

Die Sinnhaftigkeit dieser bizarren Strukturen ist damals wie heute nur eine Sache: visuelle Irritation. Jeder Automobilhersteller tarnte seine Autos auf unterschiedliche Arten mit verschiedenen Haftfolien und Hartschalenbefestigungen, um so viel wie möglich zu verbergen. Wenn die Camouflage wirkt, sind die typischen Probefahrten im täglichen Leben möglich. In dieser Testphase haben die Konstrukteure die Gelegenheit, wesentliche Bauteile des Fahrzeugs zu modifizieren.

Auf diese Weise wird gewährleistet, dass ein Neuwagen so gut wie möglich auf den Markt kommt. Bei einem großen Konzern wie BMW könnte man meinen, dass eine riesige Abteilung für die Verkleidung der Vorbilder von BMW, Mini und Rolls-Royce verantwortlich ist.

Das Ganze wird von Thomas Nock geleitet, der zusammen mit einem Gestalter und zwei weiteren Angestellten die Camouflage für jedes neue Model einzeln entwirft und installiert. Von dem neuen Auto wollen die Konstrukteure so wenig wie möglich im Voraus sehen, was dazu führen kann, dass z.B. harte Schalen an der Seitenwand oder an der Haube verschraubt werden. Andererseits wollen die Tester ein Auto prüfen, das das selbe Fahrverhalten und die selben Merkmale hat wie das serienmäßige.

Aufgrund der vielen Hartschalenanbauten muss auch der TÜV jedes neue Tarnmodell prüfen und freigeben. Zum einen die Verkleidung, in die harte Schalen geschraubt, andere Frontscheinwerfer angebracht und große Autoteile mit Klebstoff abgedeckt werden. Als letztes folgt das Serienmodell, das später auch beim Fachhändler erhältlich sein wird.

Aufgrund dieses einen Aspekts wird das nahezu getarnte Auto bis zum Schluss auch als Prototyp betrachtet.

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